Die Analphabetin, die rechnen konnte – Jonas Jonasson

Nachdem gefühlt dieser Jonasson bereits zerissen und hochgejubelt wurde, kann ich mich ja kurzfassen: ich fühlte mich wieder bestens unterhalten (was soll ich sagen, ich mag nunmal seinen ironischen und beissenden Witz und die himmelschreiend schrägen Wandlungen und Irrfahrten seiner Figuren) – mehr Kriterien musste dieser Roman für mich nicht erfüllen.

Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte – Rachel Joyce

Nachdem ich ihren Erstling wirklich mochte, hatte ich mir hier wieder einen netten Schmöker erwartet. Ich habe mich gelangweilt. Ich habe mich wirklich durch das Buch geschleppt. So richtig kam nichts in Fahrt, die Atmosphäre war unglaublich düster (gut, so war es eben der Geschichte geschuldet…) und ich kam mit keiner der Figuren so richtig in Kontakt. Die Hauptidee des Romans konnte mich auch nicht überzeugen, eher verwirrte es mich. Ich habe schon einige sehr begeisterte Stimmen gelesen, leider kann ich mich dem nicht anschliessen.

Zeit der Krabben – Hanna Jansen

Ein eher leises, ruhiges Jugendbuch, die Geschichte einer jungen Frau, die auf einer Insel aufwächst und die mit gänzlich anderen Herausforderungen zu kämpfen hat, als ihre Altersgenossen in einer Großstadt. Und doch – manches bleibt sich gleich, ob Stadt, Land oder Insel. Einfühlsam geschildert, mit einem Blick auf die eher dunklen Punkte, die in einer kleinen Gesellschaft Schwierigkeiten erzeugen können, auf Nöte, Süchte, Wünsche.

33 Cent um ein Leben zu retten – Louis Jensen

Ein wenig in der Tradition von Janne Tellers „Nichts“ erschien im gleichen Verlag nun dieses Buch, ebenfalls eine Art von Experiment, dem der Leser folgt. Jensen hat es verstanden, durch seine Geschichte zu führen und den Leser aufzurütteln, ihn von seinem bequemen Sofa zu holen. Man fragt sich: wo führt diese moderne Robin Hood Geschichte hin? Denn auch, wenn die besten Gedanken hinter der Idee stehen, so stellt sich doch die Frage: wieviel kann der einzelne tun? Ganz sicher nicht nur für Jugendliche interessant, eine zukünftige Schullektüre und ein Buch zum Darüber-Sprechen.

 

Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind? – Hervé Jaouen

Eine sensible Auseinandersetzung im Jugendbuch mit dem Thema Alzheimer. Lebensklug und liebevoll geschrieben, erzählt das Buch von einer Familie, die zusammenhält, auch wenn die Großmutter durch die Krankheit die Nerven aller ordentlich fordert – trotzdem verlieren die Beteiligten nicht ihren Humor und erfahren durch die neue Situation eine ganz neue Rolle innerhalb der Familie. Tolle Umsetzung eines schwierigen Themas.

Liebesdienst – Howard Jacobsen

Wie findet man sich damit ab, dass man ungeliebt ist und ungeliebt bleiben wird, ausgestoßen, nicht, weil man selber nichts taugt, sondern weil man dem Glück zweier anderer im Wege steht; dass man bis in alle Ewigkeit einsam bleiben muss, damit die beiden anderen bis in alle Ewigkeit zusammenbleiben können?

(S. 26)

Dieser (Liebes)-Roman ist ein perfides Spiel zwischen Schein und Sein – zum Teil voller Sehnsucht, Zerrissenheit, dem Wunsch nach Liebe und Lust, zwischen Leidenschaft und Eifersucht. Einige Szenerien waren ganz schön heftig, andere, schöngeistiger Art zogen sich ein wenig in die Länge, auch wenn mir der Protagonist aufgrund seines Berufs natürlich erstmal sympathisch war . Mit dem Schluss hatte mich der Autor dann aber wieder in der Tasche – ich habe das Buch ein wenig fassungslos zugeklappt – was für eine Idee!

Muminvaters wildbewegte Jugend – Tove Jansson

Als Kind habe ich öfter von den Mumins gehört, allerdings hatte ich die Bücher wohl immer nur bei Freunden ausgeliehen, so dass ich mich erst jetzt durch die eigenen Ausgaben pflügen kann und meine nur sehr vagen Erinnerungen auffrischen. Dafür taugte dieser Band sehr – denn er erklärt vieles, auf das in späteren Bänden Bezug genommen wird. Die Mumins kann man einfach nur ins Herz schliessen und ich freue mich, wenn mein Sohn bald mit mir ihre Welt erkunden wird.

 

Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry – Rachel Joyce

Eigentlich ist hier von Anfang an alles klar – alter Mann, kranke Freundin die er aus den Augen verlor, alter Mann läuft nach dem Erhalt dieser Nachricht los, Kurzschlussreaktion, solange er läuft, kann seine alte Freundin nicht sterben, so sein inneres Flehen. Man könnte fast sagen: netter Roman, nichts aufregendes oder gar „vorhersehbar“. Aber so einfach macht es Joyce einem nicht. Da ist auch Harolds Ehefrau, die sich während der Reise Gedanken über ihre Ehe macht. Da sind die Gedanken an den gemeinsamen Sohn, die beide unabängig voneinander denken. Da ist Harold, der überhaupt nicht für eine solche Reise gerüstet ist. Da sind die unterschiedlichsten Menschen, die Harold auf seinem Weg weiterhelfen, die mich berührt haben. So einiges passiert auf diesem langen Fußmarsch, womit man so dann eben doch nicht rechnen konnte – ein Zeichen für Qualität und doch mehr als nur ein „netter“ Roman.

Tausend kleine Schritte – Toni Jordan

Am Cover bin ich schon mehrfach hängen geblieben, der Titel klang gut und so habe ich mich gefreut als es in meinem Lesekreis gewählt wurde. Es ist ein bisschen schwierig meine Enttäuschung zu schildern ohne etwas zu verraten – insgesamt fand ich es ganz okay zu lesen, ein ungewöhnliches Thema wurde angeschnitten … aber es bleib hölzern, schwer zu fassen und ich wurde einfach mit dem ganzen Buch nicht warm. Der ein oder andere Aspekt gefiel mir gut, mein Gesamteindruck blieb aber flach.