Berge versetzen für Anfänger – Marius Kursawe

Wir alle haben diese Ziele im Leben, die wir erreichen wollen, Ideen die wir umsetzen wollen, Träume die immer wiederkehren. Und doch stellt sich nur allzuoft das Leben und seine Herausforderungen zwischen uns. Wir legen nicht los, greifen nicht zu, bleiben entmutigt mit Blick auf den Gipfel am Fuß der Berge stehen. Warum versetzen manche Menschen diese Berge und manche nicht? Was machen sie anders als andere?

Marius Kursawe wollte es herausfinden und hat einen Blick auf die aktuelle Motivationsforschung geworfen und sich mit acht Menschen getroffen, die alle ihre ganz eigenen “Berge” versetzt, man könnte auch sagen – bestiegen – haben. Es sind sehr unterschiedliche Schicksale und Lebensträume, die uns da begegnen und gerade diesen Mix fand ich extrem reizvoll, weil alle ihre ganz eigene Perspektive einbrachten.

Wenn ich während der Lektüre mit Bleistift und Post-Its hantiere, weiß ich, dass ein Sachbuch bei mir etwas zum klingen bringt.

Und in diesem Buch habe ich so einiges angestrichen und markiert. Kursawe erzählt anschaulich und nimmt einen von der ersten Seite an mit. Während man das Buch liest, merkt man, wie es beginnt, in einem selbst zu kribbeln und die Lust aufs Loslegen kommt ganz automatisch. Damit dieser Auftrieb auch gut genutzt wird, gibt es innerhalb des Buches immer wieder Denkanregungen und mentale Tipps und Tricks zur Unterstützung.

Mich hat vorallem der Untertitel des Buches “Mach doch endlich was du willst!” enorm angesprochen. Wirklich das zu tun, was einen erfüllt, keine Agenda zu verfolgen, die nicht die eigene ist und die Zeit, die wir alle haben, wirklich zu nutzen. Damit vermittelte mir das Buch bereits vom Cover an eine gewisse Aufbruchsstimmung.

Welche Berge wolltet ihr schon immer versetzen? Vielleicht ist dieses Buch für euch der erste Schritt auf dem Weg zum Gipfel!

Rezensionsexemplar

Keep going – Austin Kleon

Austin Kleon begegnete mir zum ersten Mal, als mein damaliger Kollege Franz dessen erstes Buch bei einer unserer Herbstlesen kongenial vorstellte. Seitdem ist Kleon, der sich selbst auf seiner Website mit “is a writer, who draws” vorstellt eines meiner großen Vorbilder.

Seine Bücher “Alles nur geklaut” (“Steal like an Artist”) und das dazugehörige Journal und “Show your work” sind die, die ich regelmäßig zur Hand nehme, wenn ich Inspiration brauche. Und durch seinen Newsletter bekomme ich jede Woche Anregungen rund um Kunst, Literatur und Musik, die ich nicht missen möchte. Kurzum – Austin Kleon ist jemand, dessen Schaffen man aufmerksam verfolgt.

Mit “Keep going – 10 Ways to stay creative in good times and bad” hat er wieder einen Nerv bei mir getroffen. Denn kennen wir das nicht alle? Es gibt unglaubliche viele gute Gründe, gerade nicht künstlerisch tätig zu sein. Die Zeit, die Ängste, die Umstände…egal was es ist, was uns davon abhält, es ist oft mächtiger, als unser Wunsch. Kleon erzählt selbst auf den ersten  Seiten, dass er das Buch schreiben musste, weil er ein solches Buch zum Lesen brauchte. Ich glaube, das ist es, was ich so besonders an ihm mag – er ist greifbar. Kein unnahbares Genie, das in höheren Spären schwebt sondern ein Künstler, der auch zweifelt, schlechte Tage hat, der manchmal das Gefühl hat, es wird nicht einfacher.

Way No. 5

Seine 10 Tipps in “Keep going” sind gewohnt kurz und knapp gehalten und das ein oder andere mag schlicht und einfach erscheinen. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, das gerade die einfachen Dinge oft am schwersten umzusetzen sind – aber am meisten Effekt erbringen. Der ein oder andere Tipp ist Kunstschaffenden vielleicht auch nicht neu. Aber Kleon schafft es immer wieder, auch Altbewährtes so zusammenzusetzen, dass seine Bücher ein Quell der Motivation und Inspiration sind.

Gespickt mit Zitaten und Anekdoten von anderen Künstler*innen ist auch dieses Buch eines geworden, dass ich während des Urlaubs mehrfach gelesen habe. Kleons Ansatz, mit sich selbst und seiner kreativen Arbeit umzugehen, mit seiner Umwelt und dem Leben, das funktioniert für mich immer wieder vorzüglich.

Way No. 3:  Forget the noun, do the verb!

Ein Buch für alle, die kreativ arbeiten und ab und zu feststecken (also – alle!), für neue Motivation und den nötigen Schubs, den wir alle ab und an brauchen. Bei mir hat es jedenfalls wieder geklappt!

Info: Ich habe die englische Originalausgabe gelesen, für die deutsche Ausgabe gibt es nach meinem Kenntnisstand noch kein Erscheinungsdatum.

 

Kurt – Sarah Kuttner

Natürlich habe ich überlegt. Kann ich dieses Buch überhaupt lesen? Halte ich das aus? Von Anfang an weiß ich, dass in diesem Buch etwas Schlimmes passieren wird. Dass ein Kind sterben wird und es ist noch nicht so lange her, dass mein eigener Sohn in diesem Alter war. Ich zögere also. Und nehme das Buch dann doch vom Stapel, lese mich mit einer gewissen Anspannung durch die ersten Kapitel. Der herzlich-schnodderige Tonfall nimmt mir ein wenig die innere Unruhe, lässt mich grinsen. Und doch merke ich, wie ich unbewusst die Luft anhalte, weil ich weiß – da kommt etwas auf uns zu. Kurt – Sarah Kuttner weiterlesen

Stell Dir vor, Du wachst auf – Michael Curse Kurth

Was denkt ihr, wenn ihr diesen Titel lest? Geht es euch vielleicht genauso wie mir? Natürlich wachen wir im Laufe des Tages auf, aber wie oft laufen wir kopflos durch unseren Alltag, der in einem endlosen Strom von Aufgaben und Erledigungen an uns vorbeirauscht? Verfangen uns in einem höher, schneller, weiter oder sind erschlagen von der Informationsflut, die tagtäglich auf uns einprasselt? Und wie oft sind wir wirklich ganz bei uns, präsent und (auch wenn es aktuell ein überstrapaziertes Wort ist) – achtsam ? Ich merke – es könnte bei mir deutlich öfter der Fall sein, ich wünsche mir mehr Ausgeglichenheit. Außerdem würde ich gerne zu meinen bisherigen Routinen neue hinzufügen, ob es nun der Umgang mit digitalen Medien ist, der regelmäßige Sport oder die Meditationspraxis.

Genau hier setzt Curse an. Einige werden ihn als Rapper kennen, andere haben ihn vielleicht wie ich in seinen Sessions für die Female Future Force kennengelernt oder haben schon einmal seinen Podcast “Meditation, Coaching & Life” gehört. Mir haben seine Ansätze bei der FFF bereits gut gefallen, ich wollte mehr lesen.

Die OOOO+X-Methode für mehr Präsenz und    Klarheit im Leben.

Die Methode die Curse entwickelt hat stützt sich auf fünf Schritte im Umfeld der Meditation und Achtsamkeit, die unterschiedlich in den Tag eingebaut werden können, vorrangig aber als Morgenroutine konzipiert wurden. Mir gefällt der humorvolle Ton, der mich immer wieder zum Schmunzeln bringt, manch undogmatischer Vorschlag und die immer wieder eingestreuten Zitate zu Kapitelanfang. Auch holt einen das Buch schlicht dort ab, wo man ist und setzt die Hürde bewusst niedrig. Es macht den Start leicht, auch weil Curse über das ganze Buch hinweg einzelne (Meditations/Atem)-Übungen und Anregungen einstreut, die sich auch in einen noch so vollgepackten Alltag integrieren lassen. Ausreden, adé!

Genauso gefällt mir, dass sich das Buch mit meinem gelebten und erlebten Alltag deckt. So wunderbar ein Yoga-Retreat oder eine mehrtägige Schweigeklausur auch sein können, so sind diese Erlebnisse doch eher die Ausnahme. Es ist mir wichtig, Dinge zu finden, die bereits jetzt und hier wirken und die dauerhaft in mein Leben passen. Kurz: bei denen es eine realistische Chance gibt, dass ich sie wahrnehmen  und einbauen kann.

“Je einfacher die Methode, desto geringer die Gefahr von Abwegen”         Chögyam Trungpa

Curse bringt uns dazu, uns wirklich Gedanken zu machen, über unser “Warum?” weil ein klares und achtsam formuliertes Warum ein sehr machtvoller, ja unser stärkster Antrieb sein kann. Er fordert uns Leser*innen dazu auf, unsere Ziele und Vorhaben am jeweiligen Kapitelende auch schriftlich zu fixieren , weil niedergeschriebene Vorsätze deutlich verbindlicher auf uns wirken als vage Vorhaben.

Beim Lesen streiche ich vieles an, für mich passt dieses Buch gerade perfekt.

Mich beeindruckt Curse, der zu Beginn des Buches auch seine eigene Geschichte erzählt. Davon, wie er als Rapper alles erreichte und doch nicht glücklich war, wie ihm Coaching, der Buddhismus und Meditation geholfen haben, sich neu auszurichten. Auf welche Dinge er in seinem Leben nun verzichtet und welche bei ihm Einzug gehalten haben.

Im Nachwort macht Curse aber noch einmal klar, dass jeder für sich seine Methode und seinen Weg finden muss und das auch dieses Buch nur ein Anstoß sein kann. Dafür, sich vielleicht mit dem ein oder anderen Baustein seiner Methode noch intensiver und über lange Zeit hinweg selbst zu beschäftigen ( der Anhang mit weiterführender Literatur gibt einem dazu viel Lesestoff an die Hand).

Gehen müssen wir den Weg immer noch alleine, aber es fällt deutlich leichter, wenn man solch einen liebevollen Anstoß bekommt, wie durch die Lektüre dieses Buches.

Qualityland – Marc-Uwe Kling

Endlich gibt es etwas Neues vom Erfinder des wohl berühmtesten Kängurus der Buchwelt, Marc-Uwe Kling hat wieder einen Roman geschrieben. Einen, den es gleich in zwei Ausführungen (helles und dunkles Cover) und in einer Hörbuchfassung gibt – die dreifache Freude für alle Fans quasi. Wir tauchen also tief ein, in dieses Qualityland, in dem fast alles per TouchKiss auf dem Qualitypad zu regeln ist, alles immer OK ist, und in dem Maschinen unsere tiefsten Wünsche erfüllen, lange bevor wir überhaupt wissen, dass wir sie haben. Eine Welt voller Superlative. Was soll da noch schiefgehen? Qualityland – Marc-Uwe Kling weiterlesen

Now! Entschleunigung – Selbstfürsorge – Lebensfreude – Ruth Knaup

Dieses Buch ist eine Erlaubnis zum Innehalten. Eine Einladung, tief durchzuatmen und sich für sich selbst Zeit zu nehmen. Denn wann tun wir das momentan, in unserem Leben? Wir multitasken, wir regeln und rödeln. Wenn wir krank sind, versuchen wir, möglichst schnell wieder gesund zu werden. Wir wollen etwas leisten, für unsere Familie da sein, wir hören nicht mehr genau zu, wenn unser Körper uns sagen will: Du brauchst mal Ruhe.

Ehrlich gestanden – so ging es mir auch. Ein wunderbares Jahr liegt bisher hinter mir, aber auch ein verdammt stressiges, forderndes. Es wurde dringend Zeit, mal auf die Bremse zu treten. Dazu hat in großem Maße dieses Buch beigetragen, in dem ich mich mehr als einmal wiedererkannte. In kurzen und aufgeräumten Kapiteln, die Übungen, Meditationen und Denkanstöße beinhalten, geht die Autorin eingeschliffenen Mustern und Verhaltensweisen auf den Grund. Sie beschäftigt sich mit Entschleunigung, damit, dass wir trotz allem, was auf uns einprasselt, die Wahl haben, wie wir leben, auch wenn das öfter mal das Wort “Nein” beeinhaltet und wir wieder neu lernen müssen, uns ganz auf Dinge einzulassen.

Sie schreibt über die oft vernachlässigte Selbstfürsorge, die Wichtigkeit, eigene Bedürfnisse zu erkennen und auch nach außen zu signalisieren. Denn wie können wir gut leben und für andere da sein, wenn wir uns nicht zuallererst mal um uns selbst kümmern? Ein dritter Abschnitt rundet das ganze ab, in dem sie über Lebensfreude schreibt, darüber, die Menschen und Erlebnisse in unserem Leben zu feiern, die uns gut tun. Beziehungen zu pflegen, Platz für Kreativität zu machen, verwegen zu sein.

Als ich dieses Buch gelesen habe, habe ich öfter innegehalten, habe mehr als nur eine Stelle markiert. Manchmal kommt das richtige Buch zur richtigen Zeit zu einem und dann schwingen seine Worte in Resonanz zu unseren Gedanken. Dann hinterfragen wir ehrlich, dann spüren wir, wie sich etwas in unserem Denken verschiebt und wir ein wenig mehr ankommen, in diesem, unserem Leben.

So oft sind wir auf der Überholspur unterwegs und vergessen, was wir und die Menschen um uns herum wirklich brauchen. Habt ihr auch das Gefühl, dass eine kleine Auszeit für euch gerade nicht schaden könnte? Dann nehmt dieses Buch mit!

Milk and Honey – Rupi Kaur

In den letzten Monaten ist mir ein Lyrikband immer wieder online begegnet, solange, bis ich ihn dann im Januar in Berlin in einem englischen Buchladen gekauft habe. Seitdem liegt er auf meinem Nachttisch, neben mir auf dem Sofa, begleitete mich auf Zugreisen, kurz – er ließ mich nicht los, er beschäftigte mich. Rupi Kaurs Gedichte treffen mich, zum Teil ist schon das Lesen schmerzhaft, gerade, wenn sie über Mißbrauch schreibt, was mir unglaublichen Respekt abnötigt.

Liebe kann verletzen, dich zerbrechen lassen und gleichzeitig alles überstrahlen und auch wieder heilen. Diese jeweiligen Extreme und Aspekte der Liebe lotet sie aus, in einer klaren Sprache, so, dass ich als Leserin oft denke – war sie dabei? Woher weiß sie so genau, wie es sich anfühlt, zu straucheln, sich in die Liebe hineinzuwerfen, an sich selbst zu verzweifeln? Gedichte, die man immer wieder lesen kann, die so wahrhaftig sind. Manche haben Stacheln, andere legen sich wie eine weiche Decke um mich.

Ja, dieser Gedichtband darf mich noch das ganze restliche Jahr begleiten und mir eine Zuflucht sein, ein Garten voller Wörter, eine kluge Begleiterin an meiner Seite.

“i am a museum full of art

but you had your eyes shut”

(S. 100, milk and honey)

Die Erziehung des Mannes – Michael Kumpfmüller

Eines hat der Roman geschafft, er hat mich beim Lesen sehr beschäftigt. Allerdings waren die Gefühle, die er in mir hervorrief, alle meist eher weniger positiv besetzt. Auf dem Innenklappentext ist die Rede von einem „empfindsamen Helden“ – was ich fand, war vorallem einer, der über lange Strecken das Leben über sich ergehen lässt. Es „passiert“ ihm einfach, er tut das, was erwartet wird oder was er für Erwartungen seiner Umwelt hält, ab und zu verfällt er in Aktionismus, dann wird er wieder so passiv, dass es schwer auszuhalten ist. Die Erziehung des Mannes – Michael Kumpfmüller weiterlesen

Fotzenfenderschweine – Almut Klotz

Dies ist ein Buch über Liebe. Über Liebe, für die hart geackert wird. Die nicht einfach ist und kein Hollywoodklischee bedient. In der endlose Nächte lang gestritten wird, in der die Unterschiede oft stärker klingen als die Gemeinsamkeiten. Das klingt nicht nach Liebe, sagt ihr? Oh doch – und es beeindruckt mich um vielfaches mehr. Mit Wucht bekommen wir ungeschönte Szenen serviert, um gleich darauf wieder eine kleine Zärtlichkeit zwischen den Zeilen zu spüren. Gerade dieser so ehrliche und unverstellte Blick auf ihr Leben, ihre Beziehung mit Rev. Christian Dabeler und ihren künstlerischen Werdegang ist es, der mich das Buch in einem Zug durchlesen lässt.

Es ist ein Fragment, ein Text der nicht fertiggestellt werden konnte, aufgrund des Todes von Almut Klotz im August 2013. Dem Verbrecher Verlag gebührt großer Respekt dafür, dass er diesen Text, dessen Veröffentlichung der unbedingte Wunsch der Autorin war, nicht verändert hat, auch nicht die Stellen, in denen sie selbst auch mal nicht gut abschneiden. Und der Titel? sehe ich noch ein Fragezeichen in euren Augen aufleuchten. Der ist großartig. Wer dieses Buch liest (und dazu rate ich euch dringend) wird verstehen, warum.

 

 

Das Beste, was wir tun können, ist nichts – Björn Kern

Hier spielt natürlich der Titel eine ganz klare Rolle bei der Entscheidungsfindung, ob das Buch etwas für mich sein könnte. Bereits das großartige Buch von Katrin Passig und Sascha Lobo über das Aufschieben hatte mir eine charmante Gegenposition zu To-Do-Listen und Effizienz aufgezeigt. Kern tut in etwa dasselbe, nur, dass er dabei noch eine ganze Stufe weitergeht. Er schreibt unterhaltsam, man folgt ihm gerne auf seinem Abenteuer des Nichtstuns.

Und die abendliche Bank unter dem Birnbaum, die er auch gerne mal an einem Montag morgen um acht besetzt, die möchte man sich am liebsten auch sofort in den Garten oder auf den Balkon stellen. Ob sein Konzept 1:1 für jeden umsetzbar ist? Ganz sicher nicht. Aber er schafft es, dass man auf angenehme Art hinterfragt – was wird passieren, wenn ich XXX nun nicht tue? Und wieviel muss ich tun, um das Nichts tun noch genießen zu können? Ein Anstoß, der in hektischen und getriebenen Zeiten fast schon altmodisch anmuten mag, aber gerade heutzutage aktueller ist denn je.