Sheila Levine ist tot und lebt in New York – Gail Parent

Eine kleine Zeitreise, die sehr slapstickartig beginnt, mit jüdischem Witz und Galgenhumor. Das Buch schlägt aber auch ernsthaftere Töne an und verliert ein wenig die Rasanz des Beginns, gewinnt dadurch aber nochmal an Tiefe. Eine ganz eigene Welt – die Welt von Sheila Levine. Begleiten wir sie ein Stück… denn der Weg lohnt!

Die amerikanische Nacht – Marisha Pessl

Ich versuche immer noch, meinen Eindruck festzunageln. Also, mal ein Versuch ungeordneter Art: einerseits: die Form (durchsetzt mit Zeitungsartikeln, Bildern, Internetartikeln etc.) – sehr passend, toll gemacht. Gehört irgendwie so zu den Büchern, wo man, obwohl man durchaus manches in Frage stellt, am Ende froh ist, dass man es gelesen hat. Das Genre (Mix aus Krimi und Horror) hab ich so noch nicht gelesen, kenne da aber auch kaum was, und fand ich ansprechend – ich hatte jedenfalls ziemlich Gänsehaut/Grusel zwischendrin. Auch die Geschichte, die Fährten, die ausgelegt werden, ich finde, der Leser wird gut auf Trab gehalten.

Nun das Aber: die Sprache. Hab mich schon vorzüglich mit meinem Mann drüber verdiskutiert: ich finde sie relativ unspektakulär und meinte mich zu erinnern, dass Pessl ja als literarisches Wunderkind gehandelt wurde. Also…so spontan hätte ich gesagt: es passt zu den handelnden Personen (was dann ja auch in Ordnung ist, die sind nunmal z.Tl noch sehr jung) aber es ist, wenn man jetzt mal als Vergleich Perlman lesen würde, überhaupt kein Vergleich. Umgangssprache, hier und da mal eine blumige Beschreibung, aber eben keine Gänsehaut-Sätze. Das MUSS bei so einem Buch auch nicht unbedingt sein, aber ich war irgendwie irritiert, weil ich ihr eine ganz andere Sprache zugeordnet hatte, aufgrund der Vorschau…Also Mhm. Mhm. Mhm. Und ich weiss nicht recht, wem ich das empfehlen soll – es ist so schwer, es zuzuordnen und die ein oder andere Grusel/Horror-Szene würde ich spontan nicht jedem Kunden zumuten…und doch ist die Geschichte wirklich packend und entwickelt einen Sog. Übers Ende kann ich hier ja nicht recht diskutieren

Die wilden Piroggenpiraten – Maris Putninš

Ein mehr als nur leckeres Abenteuer. Herrliches Fabulieren, wunderbare Bilder im Kopf, Gewürze in der Nase, Hunger im Bauch, die ganze Zeit über. Ein Sieg der Phantasie, eine wilde Abenteuergeschichte und über 600 Seiten kulinarischer Lesespaß! Einzig die Leseempfehlung ab 8 Jahren kann ich so nicht teilen: das Buch ist schon enorm anspruchsvoll und durch seine Dicke dürfte es Leseanfänger vielleicht etwas einschüchtern. Aber geübte Leser ab 10 dürften hier voll auf ihre Kosten kommen – oder gemeinsames Vorlesen, denn die Eltern werden ihren Spaß dabei haben, das kann ich garantieren!

Tonspuren – Elliot Perlman

Es ist sehr gewagt, bereits im April ein Buch definitiv zu einem der Besten des Jahres zu küren. Allerdings weiß ich ehrlich gestanden nicht, was da noch kommen soll, was Perlman diesen Rang ablaufen sollte. Ich bin so tief beeindruckt, so dermaßen bewegt von diesem Buch. Es ist so intensiv, dass ich beim Lesen immer wieder Pausen eingelegt habe – um die Wörter wirken zu lassen, Sätze leise vor mich hinzusprechen, mich ergreifen zu lassen, die Tränen liefen. Ich habe in dieser Geschichte gelebt und konnte, trotz fast körperlicher Anstrengung beim Lesen, das Buch kaum weglegen. Was ist dieser Autor für ein Sprachvirtuose! Was für eine Geschichte, welch Kunstwerk hält man mit diesem Buch in den Händen. Es ist ein absolutes Muss für jeden, der sich auf eine einmalige Begegnung mit außergewöhnlichen Menschen einlassen will, der erleben möchte,  wie unfassbare Schrecken eine Form bekommen und wie Erinnerungen so lebendig werden, dass man das Gefühl hat, sie greifen zu können. Wenn ich davon spreche und schwärme, bekomme ich eine Gänsehaut. Dieses Buch hat mich schlicht überwältigt!

Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims – Annabel Pitcher

Ehrlich gestanden habe ich mir von diesem Buch mehr erwartet. Das Cover, der Titel, eigentlich alles sprach für ein Jugendbuch nach meinem Geschmack. Warum es nicht gepasst hat? Ich kann den Finger leider nicht genau darauflegen, aber während des Lesens merkte ich: das kommt nicht an mich ran (dabei werde ich es belassen, weil ich dem Leser sonst zuviel vorweg nehmen würde, wenn ich genauer auf bestimmte Stellen eingehe). Insbesondere schade finde ich das, weil eine liebe Freundin dieses Buch sehr mochte und wir häufig den gleichen Lesegeschmack haben.

Logbuch eines unbarmherzigen Jahres – Connie Palmen

Ganz schön harter Tobak, für mein erstes Connie Palmen Buch. Ich wusste ehrlich gestanden nicht viel über sie, mein Verlagsvertreter legte mir aber dieses Buch ans Herz. Ganz klar ist: ich muss unbedingt noch I.M. lesen. Zudem glaube ich, wenn man andere Werke und ihre Geschichte kennt, kann man dieses Buch noch mehr schätzen. Es ist manchmal wie ein Dolchstoß in Herz, die Trauer, die Wut, die Regungslosigkeit. Ein Logbuch sehr dunkler Gefühle und doch immer wieder eine so ausdrucksstarke Liebeserklärung. Nicht leicht zu lesen und doch lohnt sich jede Seite.