Christmas Jars – Jason F. Wright

Kennt ihr Christmas Jars? Ich kannte diesen Begriff nicht – bis vor zwei Jahren meine Mutter an Heilig Abend nach Hause zurückkehrte und ein Marmeladenglas, bis obenhin gefüllt mit Münzen und Scheinen, an ihrer Haustür fand. Meine Mutter recherchierte und fand dieses Buch. Die Geschichte der Christmas Jars wird hier erzählt – eine Familientradition, die nach und nach immer weitere Kreise zog. Und auch, wenn es hier und da ein wenig rührselig anmutet – die Idee hinter diesen Gläsern ist einfach wunderbar. Und ich danke denjenigen, die meiner Mama so eine große Freude gemacht haben – das Glas kam zur richtigen Zeit und es berührt mich immernoch, dass jemand für sie so großzügig war. Danke in die Nacht!

Stoner – John Williams

Eigentlich sollte Stoner genau zu mir passen: ich mag diese Romane mit Campus-Atmosphäre, denen der Ruf anhaftet, ein Klassiker zu sein. Was mich unterschwellig bei diesem Roman begleitete, war die Hoffnungslosigkeit. Williams beschreibt einen Mann, der eigentlich nur alles richtig machen wollte. Unauffällig leben, tun was er gerne tat. Und dem von allen Seiten Gegenwind entgegenbläst, der leidet, der, statt zu kämpfen, sich einfach seinem Leben ergibt. Das zu lesen, hat mir fast körperlich wehgetan. Und doch muss ich den Autor bewundern. Eine so genaue literarische Zeichnung eines verbrauchten Menschen anzufertigen, der vom Leben nicht gerade gut behandelt wurde, ohne nach den glitzerigen Effekten eines Romanes zu greifen, um das ganze zu glätten – das ist ein schweres Handwerk. Auch wenn mich der Roman schwermütig zurücklies, kann ich doch nicht umhin, genau diese Folge zu bewundern.

SuperTex – Leon de Winter

Ein Autor von dem ich schon länger etwas lesen wollte. Nachdem ich dann dieses Buch auf einem der letzten Bücherflohmärkte fand, stand es nun ein Weilchen im Regal – bis jetzt! Und eigentlich bleibt nur zu sagen: die lange Wartezeit hatte es nicht verdient. Definitiv wird das nicht mein letzter Leon de Winter bleiben – fabelhaft geschrieben, man will dranbleiben, will mehr erfahren. Der Autor hat einen Sinn für Szenen, die sich einem wie ein Gemälde im Kopf einprägen und einen Blick für die großen Tragödien im Kleinen.

Das grosse Los – Meike Winnemuth

Ich hatte den Blog zu ihrer Reise gelesen und war unsicher – wollte ich das alles nochmal lesen? Nachdem ich aber allenthalben Lob las, dachte ich: warum nicht. Und ja: auch wenn man den Blog kennt, lohnt sich die Lektüre. Die Aufteilung in Briefe an Freunde hat dem Ganzen einen persönlicheren Anstrich gegeben, angenehm auch, dass es kein feststehendes Schema gab und durchaus Unterschiede in ihrer Berichterstattung. Hier und da hätte ich mir ein in die Tiefe gehen gewünscht, andererseits ist es auch verständlich, wenn es innerhalb dieses Buches nicht stattfindet, das würde doch den Rahmen sprengen – im Endeffekt lässt das auch angenehm viel Platz für eigene Gedanken, Sehnsüchte und ein bisschen Fernweh.

The Silver Star – Jeannette Walls

Ich werde dieses Buch mit einem meiner Lieblingsbücher vergleichen und mir ist klar, dass ich damit einen hohen Standard setze. Als ich begann zu lesen, fühlte ich mich sofort an „Wer die Nachtigall stört“ erinnert. Walls kann wunderbar erzählen und erstaunlicherweise schafft sie es, den einzigartigen Ton in ihren Bücher zu behalten und trotzdem eine ganz eigene Erzählung zu schaffen, die sich nicht mit vorherigen Werken vergleichen lässt. Ein ganz großer Roman, eine Geschwistergeschichte, eine Geschichte über die Liebe, das Loslassen, die eigenen Wurzeln und verdammt viel Mut. Große, große Leseempfehlung!

Leben – David Wagner

Literarisch gesehen fand ich es durchaus lesenswert, die Umsetzung ist gut, die Spitzen da, Sprache etc, das stimmt alles. Aber ich werde mit Wagner nicht warm. Ich meine: das MUSS ich ja auch nicht, ich mag ja nicht jeden. Aber irgendwie schaue ich mir sein Leben an und meines und denke: naja, uns trennen zwar ein paar Jahre, aber sag mal: hattest Du mal ein Ziel im Leben? Wieviele Frauen gab es da – worum ging es Dir? Wo ist dein Rück-Halt? Irgendwie weiss ich nicht wofür und warum er lebt, woran sein Herz hängt. Vielleicht kann/will er das dann nicht öffentlich machen, aber ich finde keinen Bezug zur Person, was ich schade finde, weil ich die Idee des Buches mag, auch die Fragen rund um so eine Organspende spannend finde. Ich hab das Lesen nicht bereut, aber es hat mich nicht berührt.

Unbekannt verzogen – Tom Winter

Fällt in die Kategorie: gemütliches Buch fürs Sofa, zum ein bisschen Seufzen und sich noch tiefer eingekuscheln, eine Sich-Wohlfühlen-Geschichte über zwei, die sich nicht kennen und doch näher kommen, als sie je geglaubt hätten. Das Buch, was man jemandem mitbringt, dem es nicht gutgeht, um ihm ein wenig Mut zu machen, ein bisschen zum Lachen zu bringen.

Jakobs Mantel – Eva Weaver

Als ich die ersten Seiten dieses Romanes einer lieben Freundin am Telefon vorlas, hatten wir beide Gänsehaut. Und diese hält sich den ganzen Roman über. Die Geschichte eines Mantels und seiner mutigen Besitzer geht unter die Haut, die Schrecken werden lebendig. Was die Autorin aber vorallem schafft und das rechne ich ihr hoch an, ist eine Geschichte zu erzählen mit vielen Grautönen zwischen Schwarz und Weiss. Das ist, gerade bei diesem Thema, eine Gratwanderung, die sie schafft – allein dafür gebührt ihr schon mein Dank. Was für ein berührendes und großartiges Buch –  Ein Buch über Menschlichkeit in tiefster Dunkelheit!

Der amerikanische Architekt – Amy Waldman

Was wäre, wenn die anonyme Ausschreibung für die Gedenkstätte, die nach 9/11 am Ground Zero entstehen sollte, ein Mann namens Mohammed Khan gewinnt? Dieses Gedankenexperiment wagt Amy Waldman in ihrem Roman – und es gelingt ihr schnell, den Leser zu fordern: was würde ich tun? Auf welcher Seite stände ich? Welche Überzeugung kann ich vertreten, ethisch, moralisch, menschlich? Die Menschen, die vor dieser Entscheidung stehen: eine Jury, Überlebende, Zurückgebliebene, Politiker, der Architekt selbst – und dazu kommt die delikate Auseinandersetzung über Religion, Macht und Aussenwirkung. Für mich hält Waldman das Tempo, wird dem sensiblen Thema gerecht und schafft es bis zum Schluss, das Niveau zu halten und dem Buch einen runden Abschluss zu geben, was für mich oft die Achillesferse eines Romanes ist. Hat mir sehr gut gefallen, empfehle ich gerne weiter.

Schwarz wie Schnee – Jutta Wilke

Wenn Du nach einem Unfall erwachst und das Gefühl immer stärker wird, dass dein Fremdfühlen und die seltsamen Reaktionen deiner Umwelt nicht nur mit deiner Kopfverletzung zu tun haben…dann bist Du wohl in einem Jugendthriller von Jutta Wilke gelandet. Mit langsam aufgebauter Spannung die bis zum Schluss gehalten wird und leisen, philosophischen Überlegungen über das eigene Sein und Identität hebt sich dieses Jugendbuch wiedermal wohltuend ab von vielen anderen Büchern auf dem Markt.