Presseevent || Es wird Zeit von Ildikó von Kürthy

Werbung|| Presseevent auf Einladung des Rowohlt Verlags zu einer Verlagsführung und einem gemeinsamen Kochabend mit Ildikó von Kürthy in Hamburg.

Auf nach Hamburg! Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Romans von Ildikó von Kürthy lud der Rowohlt Verlag ein Dutzend Bloggerinnen zu einem Event rund um das Buch ein.

Meine letzte Kürthy-Lektüre war über ein Jahrzehnt her und ich war ehrlich neugierig, wie ich sie jetzt, einige Jahre später erleben würde. Doch vor dem Treffen mit der Autorin am Abend, bekamen wir zunächst einen Einblick in die neuen Verlagsräume von Rowohlt. Der Verlag war erst im März 2019 nach 59 Jahren in Reinbek direkt ins Herz Hamburgs gezogen, ins Bieberhaus, direkt gegenüber vom Hauptbahnhof.

Das ergab auch schon die erste schöne Anekdote, mit der wir begrüßt wurden: «Reinbek bei Hamburg» stand über Jahrzehnte in allen Büchern des Verlages. Als kleine Hommage an die Zeit im Vorort wurde in den Rowohlt-Büchern, die in den beiden Monaten nach dem Umzug erschienen, auf der Impressumseite als Verlagsort vermerkt: «Hamburg bei Reinbek».

Empfangsbereich
Bücher überall.
Treppenhaus

In einer Mischung aus kurzen Terminen mit Mitarbeiter*innen des Verlags und einer Hausführung erfuhren wir, welche Stationen ein Buch durchläuft, von der ersten Idee und dem Manuskript, über das Lektorat, die Herstellung, Lizenzabteilung, Vetrieb und natürlich Marketing und Presse.

Es gab viel zu erzählen.

Zum Beispiel, dass Lektor*innen mittlerweile auch Contentmanager*innen sind und sich der Beruf sehr gewandelt hat – früher gab es im Lektoratsbüro z.b. keine Telefone, um weniger von der Arbeit abgelenkt zu werden – heute unvorstellbar!

Die Herausforderungen in der Herstellung sind bei einem so breitgefächerten Verlag wie Rowohlt immer wieder neu, was den Beruf auch nach vielen Jahren noch abwechslungsreich macht. Eine gute Herstellerin verwaltet eine Menge Ideen – und sagt schlußendlich, was möglich ist.

Farbauswahl
Vom Manuskript zum fertigen Buch.

Besonders beeindruckend fand ich, dass man anhand solch einer Führung mal wieder merkt, wie viele Stationen es zum Entstehen eines Buches braucht und wie sehr die einzelnen Abteilungen auch miteinander und untereinander kommunizieren müssen, damit ein rundes Buch entsteht. Dazu passte, dass  die Menschen, die wir kennenlernten, schon seit vielen Jahren, zum Großteil schon über Jahrzehnte hinweg für Rowohlt arbeiten und sich sichtlich wohl im Verlag fühlten.

Wer Ildikó von Kürthys Romane kennt, weiß, dass Erdal Küppers eine immer wiederkehrende Figur ist und eine ganz besondere Beziehung zu gutem Essen hat, weshalb das Treffen mit der Autorin in einem Kochstudio in der Schanze stattfand.

Essen und Bücher – immer eine gute Kombi!

Dort angekommen wurden wir von Ildikó von Kürthy begrüßt und in drei Gruppen aufgeteilt (#TeamDessert!) um gemeinsam den Kochlöffel zu schwingen. Tatsächlich mal eine erfrischend andere Idee als die klassische Wasserglas-Lesung und eine ausgesprochen lustige und unterhaltsame Angelegenheit.

Ilke von Buchgeschichten, Mareike von Nordseiten und ich, standesgemäß in Kochschürzen.

In lockerer Atmosphäre und während wir das Menü genoßen, stiegen wir tiefer ein in die Diskussion rund um das Buch und seine Entstehungsgeschichte. Aber auch Frau von Kürthy hatte die ein oder andere Frage an uns Blogger*innen, an unsere Haltung zu Social Media, unseren Arbeitsalltag und die Geschichten, die wir mit an den Tisch brachten. Was mir daran gut gefallen hat war, dass wir gemeinsam an diesem Tisch saßen. Es war nicht “Autorin, unerreichbar und ihr zu Füßen das Publikum”, sondern die Möglichkeit, in diesem recht intimen Rahmen angeregt und engagiert zu debattieren.

Gerade weil ich das Buch bereits gelesen und mir einen ganzen Haufen Notizen gemacht hatte, war es spannend, die Meinungen der anderen mitzubekommen und auf einige Aspekte tiefer eingehen zu können.

Worum geht es denn eigentlich?

«Was soll jetzt noch kommen?» Judith ist fast fünfzig, und auf diese Frage fällt ihr leider keine zufriedenstellende Antwort ein. Die Kinder sind groß, ihr Mann ist in die Jahre gekommen und das Leben auch. Von der Liebe und dem Bindegewebe mal ganz zu schweigen. Dann stirbt ihre Mutter, und Judith kehrt nach zwanzig Jahren in die alte Heimat zurück, wo sie ein gut gehütetes Geheimnis, ein leeres Grab und einen Haufen Hoffnungen, Träume und Albträume zurückgelassen hat. Und plötzlich gerät alles aus den Fugen. Eine lebenslange Lüge stellt sich als Wahrheit heraus. Eine wiedergefundene Freundin hofft, den nächsten Sommer noch zu erleben, und will endlich wissen, was damals wirklich passiert ist. Eine Jugendliebe funkelt vielversprechend, eine Urne macht Umwege, und Judith stellt fest, dass es besser ist, sich zu früh zu freuen, als überhaupt nicht.

Viele in der Runde konnten sich mit der Hauptfigur identifzieren, sind alterstechnisch auch näher dran als ich. Als ein paar von uns jüngeren ihr Alter nannten (ich bin 33), kam auch das augenzwinkernde Argument, dass wir vielleicht nicht unbedingt die Zielgruppe sind.

Ich würde sofort zustimmen, dass ich nicht die Zielgruppe für dieses Buch bin.

Aber das nur am Alter festmachen zu wollen, wäre mir dann doch zu einfach. Denn auch, wenn ich vielleicht rund 20 Jahre zu jung bin, um mit einigen der Thematiken bereits konfrontiert worden zu sein, so sind sie mir dennoch schon des öfteren in der Literatur begegnet und konnten mich trotzdem begeistern.

Ein Roman kann natürlich besonders gut bei mir ankommen, wenn ich mich aufgrund von Ähnlichkeiten mit den Charakteren stärker mit ihm identifizieren kann. Wenn ähnliche Erlebnisse, Alter oder Meinungen zum Tragen kommen. Das ist ein Bonus, ein unerwartetes Geschenk, das einem immer mal beim Lesen passieren kann. Aber ich empfinde es als eine ganz eigene Stärke einer Figur, wenn diese mich anrührt, mich überzeugt und mich für sich einnimmt und ich sie als authentisch erlebe, obwohl sie eventuell nur sehr wenig mit mir gemein hat.

Das reine Altersargument reichte für mich nicht aus als Erklärung, warum “Es wird Zeit” mich nur in Teilen überzeugen konnte. Ein Unterhaltungsroman folgt bestimmten Abläufen und würde ohne das ein oder andere Klischee schlicht nicht funktionieren. Dies dem Roman zum Vorwurf zu machen, wäre ein verfehltes Ziel.

Was hat also bei meiner Lektüre gezündet und was nicht? Für mich schoss die Hauptfigur in ihrer bemüht-witzigen Art oftmals übers Ziel hinaus, was in einer Kolumne als zugespitzt gelten würde, war mir innerhalb des Buches oft zu viel. Einige ihrer Themen drehen mehr als nur eine Schleife, was mich etwas ermüdete. Trotzdem gab es auch einige Stellen, an denen ich über diese Art auch schmunzeln konnte. Ebenfalls rechne ich es Kürthy an, die Balance nicht zu verlieren, wenn sie schwere Themen mit einer gewissen Leichtigkeit zu erzählt. Auch gab es einen Erzählstrang, der mich enorm anrührte, weil ich aus Erfahrung heraus ahnte, dass ihm eigenes Erleben zugrunde liegt, was ihn aus dem ganzen Buch hervorstechen ließ. Für diese, sicherlich nicht leicht zu schreibenden Stellen gebührt Ildikó von Kürthy mein großer Respekt.

Für mich reichten diese positiven Aspekte aber leider nicht aus, um darüber hinweg sehen zu können, dass ich nie so richtig Zugang zu Judith fand (dafür umso mehr zu einigen Nebenfiguren) und mir eine stärkere Entwicklung ihrerseits im Roman gewünscht hätte.

Es wurde spät, an diesem Abend in Hamburg, so viel gab es zu bereden. Und auch, wenn das Buch bei uns Anwesenden vielleicht unterschiedlich gut ankam, in einem waren wir uns einig – es war ein toller Abend, mit einer wortgewandten, witzigen Autorin, leckerem Essen und einer hervorragenden Planung des Rowohlt Verlages (insbesondere Anne-Claire Kühne).

Vielen Dank für die Einladung! 

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