Warum ich blogge. Oder: Warum ich schreibe.

Ich habe schon immer geschrieben. Auf meiner Hochzeit las mein Vater in seiner Rede eine Geschichte vor, die ich mit 12 verfasste und auf die ich immer noch ein wenig stolz bin. Meine Kindheitserinnerungen bestehen aus Heften voller Geschichten, Songs für sehr kurzlebige Bandprojekte, unglücksseligen Liebesgedichten und vollgeschriebenen Tagebüchern. Auch einige Romananfänge, mühsam auf Schreibmaschine getippt finden sich darunter.

Als ich langsam zum Computer abwanderte, entdeckte ich die ganze Welt, die sich mit dem Internet für mich auftat. Ich schrieb ein Online-Tagebuch, ich trieb mich in diversen Foren herum – ich schrieb. Irgendwann mit 17 wurde der Wunsch größer, all meine Texte an einem Ort zu versammeln. Zum Glück traf ich damals Andreas, der bis heute mein Webmaster und Freund ist und die ersten Homepage und BlIMG_20150719_214621ogversuche meinerseits soviel professioneller gestaltete als ich es je gekonnt hätte.

War die erste Seite noch eher eine Homepage, die alle meine Gedichte und Songtexte versammelte, so wuchs immer mehr der Wunsch, meine Buchbesprechungen, meine “Leseeindrücke” wie ich sie irgendwann taufte, an einem Ort zu versammeln. Es sollte leicht bedienbar sein, übersichtlich und keine klassische Homepage mehr. Für Andreas war klar: ich brauchte WordPress. Und was bin ich mittlerweile froh darüber, dass er mit dieser Weitsicht für mich vor rund neun Jahren das perfekte System fand.

Warum ich also blogge? Lange Zeit habe ich es gar nicht als Bloggen verstanden. Die Leseeindrücke hatte ich bereits zuvor in Foren veröffentlicht und mit anderen Lesern geteilt. Ich merkte, dass mir diese Kurzform lag, dass ich gerne über Bücher schrieb, die ich las. Ich wollte keine klassischen Rezensionen schreiben, keine Inhaltsangaben nacherzählen, den Leser so wenig wie möglich spoilern. Ich wollte empfehlen, begeistern, schwärmen. Meine Gefühle beim Lesen schildern, ein kleiner Wegweiser zu lohnender Lektüre sein, Lust aufs Lesen machen!

Mein Blog (denn im Laufe der Jahre ist wohl eben doch einer daraus geworden) ist meine Homebase im Netz. Meine Visitenkarte, mein pinkes Aquarium. Hier findet man mich, hier kann man sich im Stöbern verlieren. Der Fokus liegt weiterhin auf kurzen und möglichst prägnanten Leseeindrücken. Es ist aber auch mehr daraus geworden. War ich zunächst lange Jahre eher solo unterwegs, so haben sich Bekanntschaften und sogar Freundschaften entwickelt, ein schöner Austausch mit anderen Buchblogger/innen und Buchhandelskolleg/innen. Man trifft sich auf der Messe, wir twittern über Leseerlebnisse, man schickt sich Buchempfehlungen, es wird über Bücher gesprochen. Wir arbeiten beruflich zusammen und ich für mich kann sagen, dass ich von diesem Miteinander unheimlich profitiere, in jeder Hinsicht. Was könnte schöner sein, als der Austausch über Literatur? Wenn neue Projekte und Ideen in der Blogosphäre auftauchen, ist es grandios, daran teilzunehmen oder auch nur als Zuschauer zu genießen, was sich bewegen kann, wenn kluge Köpfe sich Gedanken machen.

Ein bisschen bewege ich mich immer zwischen den Welten. Als Buchhändlerin habe ich auch den beruflichen Blick auf Literatur und die komfortable Möglichkeit, dass ich Leseexemplare als Arbeitsmittel zur Verfügung habe. Ich fühle mich selten im “Rezensionszwang” und genieße diese Freiheit sehr. Ich IMG_20150628_182750mag es, wenn ich neben den Büchern in Blogs noch den Mensch dahinter erahnen kann, sei es, weil er mich auf Instagram an seinen liebsten Leseort mitnimmt oder mir erzählt, was er tut, wenn er nicht liest. Ich mag das Bunte, das Vielfältige – und halte sehr viel davon, nicht nach links und rechts zu schielen und zu verurteilen, sondern stattdessen das zu tun, was einem selbst gefällt. Und dann ist da diese unheimliche Kraft, die in Blogs steckt. Was hier für passionierte Menschen schreiben, was sie umtreibt, was sie antreibt. Zu verfolgen, wie nach und nach immer mehr wahrgenommen wird, was online passiert – das ist fabelhaft und ich finde, es gibt keine aufregendere Zeit als jetzt, wo soviel aufbricht und sich neu sortiert. Wo sich Projekte, Unternehmen und Aktionen entwickeln und wir alle zu neuen Ufern aufbrechen.

Ich auch – denn so sehr ich die kurze Form für meine Leseeindrücke bevorzuge, so sehr zieht es mich im letzten Jahr auch zur längeren Form. Unter Pinkfisch und wie sie die Welt sieht werdet ihr in Zukunft mitunter auch längere Texte lesen. Denn Pinkfisch schreibt. Und nichts könnte mich gerade glücklicher machen!

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5 thoughts on “Warum ich blogge. Oder: Warum ich schreibe.”

  1. Das ist ein wunderbarer Text den du da geschrieben hast. Du hast mich bestätigt und ermutigt was das Thema Länge der Rezensionen angeht. Ich werde zukünftig öfter vorbei schauen!

    Alles Liebe
    Vicky

  2. Hallo Sarah,

    ein wirklich schöner und sehr persönlicher Beitrag. Da bekommt man gleich Lust, bei dir in die Buchhandlung zu gehen und mit dir Stunden zu quatschen. Über Bücher und viele anderen kleinen Dinge, die im hektischen Alltag oft nur durchschimmern und gerne übersehen werden. Wirklich toll.
    Bitte mehr Herum-Spuk-Ware aus deinem Hinterkopf.

    Liebe Grüße
    Michael

  3. Hallo Michael,

    Herum-Spuk-Ware gefällt mir sehr gut!

    Wenn Du mal in der Gegend bist – begeisterte Leser und Blogger sind stets willkommen!

    Liebe Grüße,
    Sarah

  4. Das hast du sehr schön geschrieben, liebe Sarah
    Ich freue mich sehr auf weitere Texte von dir. Deine Leseempfehlungen nehme ich ja sowieso schon seit Jahren an

    Viele liebe Grüße
    Nanni

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