Warum ich weiter bloggen werde und was das mit der Buchmesse zu tun hat.

Dies ist wohl der späteste Buchmesse-Post aller Zeiten. Und doch hat das nicht nur mit Zeitmangement zu tun, sondern mit den richtigen Worten, die sich manchmal erst einfinden, nachdem sich der ganze aufgewirbelte Staub, das Konfetti und die Euphorie gelegt haben.

Tatsächlich eignet sich die Frankfurter Buchmesse 2018 hervorragend dazu, eine Art von Jahresbilanz und einen Rückblick zu wagen, denn während diesen fünf Tagen verdichtete sich, worauf ich in diesem Jahr hingearbeitet hatte, fielen Entscheidungen und wurden neue Ideen erstmals laut ausgesprochen. Und auch rund zwei Monate später bleibt es für mich eine der schönsten Buchmessen, die ich je erlebt habe.

Doch zunächst ein wenig zurückgespult im Jahr.

2018 habe ich sehr wenig gebloggt, dafür umso mehr erlebt und ausprobiert. Ich hatte mir eine 7,7-Wochen Kreativ-Auszeit vom Buchladen genommen, die mir viel gezeigt und gegeben hat. Ich habe auch deutlich weniger gelesen als die Jahre zuvor. Und das war okay, denn manchmal müssen sich auch geliebte Routinen verändern, damit der eigene Blick wieder wertschätzen kann, was man liebt und wo es vielleicht Veränderungen braucht. Es gab auch im privaten Leben so einige Ereignisse, die mich forderten und die mich brauchten, geliebte Menschen, denen ich beistehen wollte, mit aller Kraft und Seele. Je älter wir werden, desto mehr nehmen diese Dinge zu und lassen so oft all das Alltägliche und scheinbar wichtige sehr klein werden. Mein Blog ist eine Facette und ein Teil von mir, auf dem aber auch nicht jeder Aspekt des Lebens stattfindet und wenn dort Stille herrscht, bin ich an anderer Stelle vermutlich sehr involviert.

Und doch hätte ich vielleicht des öfteren schon Zeit gehabt zu bloggen, ein wenig hat mich hier und da Technik und die neue Gesetzgebung ausgebremst, soetwas muss sich oft erstmal zurechtruckeln.

Aber ich habe mich ehrlicherweise vorallem selbst entmutigen lassen. Ich habe viel nach rechts und links geschaut. Habe so viele andere bewundert. Habe ihre Erfolge mitgefeiert und habe, statt es als Ermutigung zu nehmen, lieber auf die leise Stimme gehört, die sagte – (mindestens!) so gut musst Du das auch machen. Ob es die Fotos sind, der Ausdruck, die neuen Ideen – ich finde im Netz und in der Blogger*innenwelt so viele großartige und talentierte Menschen. Ich liebe eure klugen Texte, eure Nischen, eure jeweilige Einzigartigkeit. Und ich gerate immer wieder in die Falle, dass ich denke, je länger ich blogge, desto professioneller, besser, qualitativ hochwertiger muss ich wachsen, muss ich mithalten können. Früher habe ich größtenteils einfach drauflos geschrieben, geschrieben, was mir in den Sinn kam, um mich mitzuteilen über Bücher. Versteht mich nicht falsch, an meinen Leseeindrücken und meinem Stil kontinuierlich zu arbeiten ist eine gute Sache und einige der Texte aus meinen Anfangsjahren sind, nunja – das war vor 12 Jahren und ich sage mal – da war noch viel Luft nach oben.

Aber statt weniger überkritisch mit mir selbst zu sein und zu denken, Mensch Frau Pinkfisch, Du machst das ganze jetzt seit über einem Jahrzehnt, dir folgen eine ziemlich tolle Truppe an Menschen, irgendwas machst Du wohl schon richtig, ging so oft der Blick in eine andere Richtung. So oft der Zweifel, der ein oder andere Komplex der sich zeigte. Und so blieb der Laptop oft liegen, hatten doch schon andere so geschliffen und präzise über die gleichen Bücher geschrieben, die ich las, hatte ich das Gefühl, manche Bücher nicht in ihrer Gesamtheit erfasst zu haben oder zu salopp über sie zu schreiben. Und überhaupt machten das andere doch bereits zur Genüge. Ich hatte mich selbst zum Schweigen gebracht.

Und dabei weiß ich doch eigentlich ganz genau, dass der Schlüssel nicht darin liegt, etwas nachzunahmen. Sondern sich frei zu machen, auch von den eigenen verqueren Ansprüchen und schlicht das zu tun, was man machen möchte. Sich zu erinnern, warum man angefangen hat mit dem Bloggen. Sein eigenes WHY unter all dem Gedwankenwirrwarr hervorzuziehen. Und wer zuhören möchte, kommt wieder. Und wer es nicht will, der/die zieht weiter und findet in diesen Weiten des Internets, was er/sie braucht. Am Ende des Tages schreibe ich diesen Blog für mich und alle, die ihn lesen möchten, sich austauschen wollen, hier etwas für sich finden.

Was hat das nun alles mit der Buchmesse zu tun?

Die Messe ist einer der Orte, an dem ich jedesmal meinen Begeisterungstank auffülle. Wo ich mich für Bücher, Verlage und Projekte begeisterte und mitnehmen lasse von dieser Welle der Euphorie. An dem die Menschen aus dem Netz zusammensitzen, sich zusammenfinden, wo die Zeit ist, sich gegenseitig zu stärken und bestärken. Wo Pläne geschmiedet werden, wo Menschen einander vorgestellt werden und gemeinsame Ideen über Nacht reifen können. Wo Freundschaften entstehen und wo wir alle uns darauf besinnen, in der schönsten Branche der Welt zu arbeiten.

Ich habe viel gezweifelt in diesem Jahr.

Und weil das Leben ironisch sein kann, hat es mir im Zuge der Buchmesse Gelegenheit gegegeben, mich meinen Ängsten und Zweifeln zu stellen. Es hat mich auf einen Once in a Lifetime – Trip in das Buchmesse 2019 Gastland Norwegen geschickt, wofür ich Norla & Literaturtest vermutlich ewig dankbar sein werde – wann fährt man schon mal mit der norwegischen Kronprinzessin Zug?! Auf der Messe traf ich diese Truppe aus Norwegen wieder, die mir geholfen hatte, ein wenig über mich selbst hinauszuwachsen und mal ganz außerhalb meiner gewohnten Form zu bloggen. Literaturzug Teil I & Teil II

Es hat mir die Anfrage von der Buchwert für einen Vortrag zu Social Media für Buchhändler*innen auf der Buchmesse beschert, der mir wahnsinnig viel Spaß gemacht hat und noch dazu ein paar spannende Weichen für 2019 gestellt hat (stay tuned!) (Artikel im BBL).  Ich sprach das erste Mal vor großem Publikum mit einem komplett selbstausgearbeiteten Vortrag und ohmygod, ich hatte echt Lampenfieber!

Bei der Verleihung des #Bubla18 war die Energie so spürbar, die uns alle an diesen Ort gebracht hatte und ich war stolz darauf, bereits zum zweiten Mal in dieser Jury sitzen zu dürfen. Und vielleicht dazu beigetragen zu haben, dass wir uns gegenseitig noch mehr unterstützen, sichtbarer machen und laut werden, über das reine Buchbloggen hinaus. Und ehrlich, wenn ich diese super Truppe in diesem kurzen Video sehe, dann denke ich, das Buchbloggen wird sich sicherlich noch verändern über die nächsten Jahre, aber hallo, hier steckt soviel Potential!

Für Servus TV konnte ich zusammen mit Flo mein Fernsehdebüt als Buchbloggerin geben, eine Anfrage, über die ich mich sehr gefreut habe. Das Team war klasse und wir hatten wirklich viel Spaß.

Ich schrieb eine Buchbesprechung für die Galore und war stolz darauf, erneut ein Teil von Brösels Generation Buch zu sein, anlässlich der Messe sogar auch im Print! Dank Dani konnte ich 2018 meine ersten beiden Kolumnen schreiben.

Und all diese Dinge wären nie passiert, hätte ich nicht irgendwann beschlossen, über Bücher zu bloggen. Bäm!

Auf der Buchmesse traf ich erneut auf Wertschätzung der unterschiedlichsten Art, unzählige Umarmungen, manchmal reichten wenige Worte um zu spüren “hier werde ich verstanden“. Nirgendwo sonst auf der Welt ist das Gefühl für mich so stark, dass sich etwas bewegt. Und nicht zuletzt finden sich wohl kaum feinere Menschen (you know who you are!) deren Meinung, Unterstützung und Freundschaft mir viel bedeuten und die ich stets versuche, genauso zurückzugeben. Ob wir abends an einem Verlagsstand versackten, zusammen S-Bahn fuhren, auf einer wunderbar ruhigen Dachterasse intensive Gespräche führten, möglichst schräge Selfies schossen, uns gegenseitig Mut zusprachen für unsere Vorhaben – die Menschen sind es, die diese Buchmessen ausmachen.

 

Wenn es sich also vor der Buchmesse um ein eher schwieriges Blogjahr gehandelt hatte, wo der Gedanke aufzuhören zumindest mal am Rande der Gedanken auftauchte, so war da nach der Messe vorallem das vorherrschende Gefühl, dass noch so vieles möglich ist. Und dass es mit dem Bloggen, trotz mancher Durststecke, noch lange nicht vorbei ist. Und so sehr ich Twitter und Instagram schätze, bleibt doch der Blog meine Homebase. So viele Geschichten wollen noch erzählt werden, soviele gemeinsame Projekte gestemmt werden.

In mir plötzlich die ruhige Gewissheit, dass ich noch öfter ins kalte Wasser springen will und der Blog mein Sprungbrett ist.

Bevor man sich hinsetzen kann zum Schreiben, muss man erst aufstehen um zu leben, so lautet leicht abgewandelt eines meiner liebsten Mantras.

Nun ist es für mich an der Zeit, mich wieder öfter hinzusetzen und zu schreiben.

 

One thought on “Warum ich weiter bloggen werde und was das mit der Buchmesse zu tun hat.”

  1. Wenn auch in kleinem Maßstab, finde ich mich in diesem Text sehr schön wieder. Mache einfach so weiter wie du es für richtig hältst und wie es die Zeit zulässt. Das Hinterherhecheln nach anderen hatte ich auch eine zeitlang, aber das macht den Spaß am bloggen zunichte.

    Gesundes neues wünsche ich noch.

    Liebe Grüße
    Der glückliche Leser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.