Was sind eigentlich Morningpages?

In den letzten Wochen wurde ich desöfteren gefragt, was es eigentlich mit meinem Morgenritual, den sogenannten Morningpages oder auch Morgenseiten auf sich hat. Für mich sind die Morningpages aus meiner täglichen Routine kaum noch wegzudenken, so selbstverständlich sind sie geworden. Nachdem ich auf meine Instagram-Stories zum Thema so viele Rückmeldungen bekommen habe, dachte ich – warum nicht auch einen Blogpost daraus machen?

Woher kommt die Idee der Morningpages eigentlich?

Morningpages sind eine Kreativitätstechnik, die auf ein Buch von Julia Cameron zurückgehen – “Der Weg des Künstlers” (The Artist’s Way). Hierbei handelt es sich um einen 12-wöchigen Kurs mit dem Untertitel “Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität“. Ich fand das Buch klasse, es ist allerdings durchaus esoterisch angehaucht – das muss man mögen! Dort finden sich aber auch noch einige andere Kreativitätstechniken. Es kann, gerade wenn man das Gefühl hat,    “stuck” zu sein, sehr gut tun, sich intensiv        mit diesem Kurs und seinen Aufgaben auseinanderzusetzen. Übrigens ganz egal ob man schreibt, malt oder handwerkt.

Julia Cameron beschreibt die Morningpages im Buch folgendermaßen:

Julia-Cameron-Morgenseiten-II
Julia-Cameron-Morgenseiten-I

und auf ihrer Website:

Morning Pages are three pages of longhand, stream of consciousness writing, done first thing in the morning. *There is no wrong way to do Morning Pages*– they are not high art. They are not even “writing.” They are about anything and everything that crosses your mind– and they are for your eyes only. Morning Pages provoke, clarify, comfort, cajole, prioritize and synchronize the day at hand. Do not over-think Morning Pages: just put three pages of anything on the page…and then do three more pages tomorrow.

Man kann Morgenseiten nicht auf die falsche Art schreiben.

Was allerdings wichtig ist: Morningpages sollten nach Möglichkeit immer mit der Hand geschrieben werden, wenn möglich, ohne abzusetzen. Und ja, das macht einen Unterschied! Im Idealfall schreibt ihr eure Morningpages morgens als allererstes. Bevor euer Tag losgeht, ihr 1000 Dinge im Kopf habt, ihr abgelenkt seid.

Manchmal müsst ihr aber auch euren eigenen Weg finden. Bei mir ist zum Beispiel morgens zuviel los, zuhause kann ich nicht ungestört schreiben. Also schreibe ich seit einer Weile mit Musik in den Ohren jeden Morgen vor der Arbeit im Lieblingskaffeeladen.

Findet da euren Weg und was zu euch passt, damit ihr auch dabei bleibt. Ob ihr dafür eine halbe Stunde eher aufsteht, während alles noch schläft, ob ihr Kopfhörer aufsetzt, um ungestört zu sein oder euch nach dem Laufen hinsetzt – Hauptsache, ihr tut es!

Wie bei allen Dingen die man versucht, neu zu etablieren, hilft es, sich einen klaren Rahmen zu setzen. Sich immer zur gleichen Zeit hinzusetzen. Einen schönen Stift zu benutzen oder ein ausgefallenes Notizbuch. Sich einen Ort zu suchen, der zum Schreiben anregt, vielleicht sogar draußen. Wenn ihr morgens eine Anlaufzeit braucht, legt Stift und Papier direkt neben das Bett, so ist die Überwindung die ihr braucht, weniger groß – im besten Falle bringt euch ein netter Mensch dazu euren ersten Tee oder Kaffee Irgendwann werdet ihr ganz automatisch zum Stift greifen, wird es gar keine Frage mehr sein.

Für mich sind die Morningpages in den letzten Jahren ein ganz wichtiges Ritual geworden.

Wenn ich geschrieben habe, gehe ich anders in den Tag. Manchmal ist es wirklich nur brain dump. Manchmal (nicht so oft) lese ich nochmal quer und entdecke einen roten Faden, der mir nicht so bewusst war.

Morgenseiten sind die Heimat für meine Gedanken geworden. Und es darf alles dort stehen, egal wie banal oder persönlich. Niemand bekommt sie zu Gesicht. Auch das befreit, lässt mich viel freier schreiben, mich leichter in einen Flow kommen. Und manchmal, so Julia Cameron, kommt auf Seite Drei, wenn man warmgeschrieben ist, das Gold. Hat man eine kleine Erkenntnis, macht es Klick. Nicht immer. Aber oft.

Andere laufen sich warm. Ich nehme mir diese Zeit, jeden Morgen, nur für mich. Allein das hat schon einen Effekt. Diese 30 Minuten kann mir keiner mehr nehmen, sie gehören mir, ganz egal, wie der restliche Tag noch läuft. Und ich merke, dass ich nicht nur anders in den Tag gehe, sondern erleichterter. Ruhiger. Und dass mir während oder nach dem Schreiben mehr Ideen kommen.

Ihr wollt es ausprobieren? Hier nochmal kurz & knapp, was ihr wissen müsst:

 

Jeden Morgen

Drei Seiten (idealerweise A4 oder etwas kleiner, A5 ist meiner Erfahrung nach etwas zu knapp)

Handschriftlich

 

Sehen wir uns morgen früh?

Unter #morningpages oder #morgenseiten findet ihr meine und viele weitere Beiträge zum Thema auf Twitter und Instagram.

 

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